Neue Studie von Röchling Stiftung und Beyond Philanthropy

Plastik: Keine gemeinsame Agenda in Sicht

Trotz der enormen öffentlichen Aufmerksamkeit für die fortschreitende Umweltbelastung durch Plastikabfälle ist eine globale Agenda zur Lösung des Problems nicht in Sicht. Das ist der kritische Befund eines Policy-Papers, das die Röchling Stiftung und Beyond Philanthropy jetzt gemeinsam unter dem Titel POLYPROBLEM veröffentlicht haben.

Kein Tag vergeht ohne große Medienberichte zu Kunststoff in der Umwelt. Mal geht es um spektakuläre Ideen zur Reinigung der Ozeane, mal um neue Erkenntnisse zu Mikroplastik, mal um Aktionen für ein plastikreduziertes Leben. „Viele dieser Initiativen laufen nicht nur nebeneinander her. Teilweise widersprechen sich die Argumentationen und Handlungsansätze auch“, fassen die Autoren zusammen.

Die neue Publikation stellt die wichtigsten Herausforderungen, Lösungsansätze und Akteure in einem kompakten Überblick zusammen und bietet Orientierung für alle, die sich in dem Themenfeld Kunststoff und Umwelt engagieren möchten. Wer verfolgt welches Ziel? Welche unterschiedlichen Prioritäten gibt es? Und vor allem: Gibt es eine Aussicht auf einen globalen Plan?

Um diese Fragen zu beantworten, haben die Autoren mit internationalen Experten gesprochen. Sie haben die wichtigsten Netzwerke und deren Strategien analysiert und die für das Thema bedeutsamen Informationsquellen transparent zusammengestellt.

POLYPROBLEM hilft allen, die das Plastikproblem ganzheitlich überblicken und daraus eigene Optionen ableiten möchten.

Die 92-seitige, illustrierte Publikation kann ab sofort unter www.roechling-stiftung.de/downloads und www.beyondphilanthropy.eu in deutscher und englischer Spreche heruntergeladen werden. Kostenlose gedruckte Exemplare, gerne auch in größerer Anzahl, können unter info@roechling-stiftung.de angefordert werden.

Dass Kunststoffabfall die Welt bereits nachhaltig verändert hat, zeigt auch die geisteswissenschaftliche Debatte um Kunststoff als Marker der Epoche des Anthropozän. Seit 2016 diskutieren Geologen und Historiker darüber, was das ausgerufene Zeitalter des modernen Menschen kennzeichnet. Franz Mauelshagen vom Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam kann sich Technofossilien und damit Kunststoff als Marker unseres Zeitalters vorstellen. Wo bisher in Sediment- und Gesteinsschichten biologische Fossilien zu finden sind, stößt man heute bereits auf Plastik. Damit wird Kunststoff auch zum Forschungsgegenstand von Historikern und Geologen der Gegenwart und Zukunft.

Dass Plastik zurzeit mehr als Fluch statt als Segen aufgefasst wird, sei maßgeblich der Assoziation und Handhabe der Wegwerf-Gesellschaft geschuldet. Aus dieser Erkenntnis leitet sich nach Auffassung der im Projekt beteiligten Wissenschaftler die Herausforderung ab: den Werkstoff mit seinen Vorteilen in Medizin, Ernährung, technischer Innovation und Mobilität zu schätzen und zugleich langlebigere Varianten und umweltverträglichere Alternativen sowie eine Reduktion herbeizuführen.