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Ratschlag und Hilfe auf Rädern: Der „Mädchenbus Nordhessen“ fährt mit zwei Sozialpädagoginnen an Bord jährlich zwei bis drei Mal in zirka 30 Orte und Gemeinden in den Landkreisen Kassel, Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. 3.500 Mädchen im Alter von acht bis 18 Jahren werden betreut und beraten, die Fahrsaison geht jeweils von Mai bis Ende Oktober eines Jahres. Das organisatorisch-logistische und vor allem pädagogische Know-how der Mitarbeiterinnen, der gute Kontakt und die zum Teil langjährig gewachsenen vertrauensvollen Beziehungen zu den Teilnehmerinnen sorgen dafür, dass die Mädchen offen über ihre Probleme und Sorgen reden und über Ausgrenzung, Streit, Gewalt und Mobbing in der Schule und in der Familie berichten. Die Mitarbeiterinnen helfen entweder direkt oder vermitteln kompetente Ansprechpartner Das mobile Jugendhilfeprojekt „Mädchenbus Nordhessen“ wurde im Jahr 1998 gestartet und richtet sich an Mädchen und junge Frauen im ländlichen Raum. Schwerpunkt sind Gewaltprävention und Gesundheitsberatung. Mädchen und junge Frauen erleben auch heute Gewalt in verschiedenen Formen, auf dem Land fehlt meist Aufklärung und Hilfe, wie es sie in den größeren Städten gibt. Insbesondere sexualisierte Gewalt ist eine schwierig zu beratende Problematik. Die Betroffenen leiden unter vielfachen Störungen und bedürfen oft langjähriger kompetenter sozialpädagogischer, psychotherapeutischer und zum Teil ärztlich-medizinischer Hilfe. Durch mädchengerechte Angebote finden die Betroffenen fachkompetente Ansprechpartnerinnen für ihre vielfach geheim gehaltenen Probleme. Auch schwere Vernachlässigung, Missachtung, Abwertung und Demütigung sind Themen des Mädchenbusses.

Die Mädchen und jungen Frauen werden an den Themen und Angeboten direkt beteiligt: Alle Themen, die ihnen auf der Seele liegen, werden besprochen oder zu kleinen Einheiten für die Gruppe aufbereitet. Die Teilnehmerinnen erleben Solidarität und Stärkung. Immer mehr gilt es bei der Beratung, den wachsenden Einfluss der neuen Medien im Auge zu behalten. Mädchen, die labil sind, sind besonders anfällig für unkontrollierten und unkritischen Fernseh- und Internetkonsum. Doku-Soaps ersetzen zunehmend das reale Leben. Die Folgen sind Bewegungsmangel, Isolation und wachsender Realitätsverlust. Der Mädchenbus bringt sie mit „Vorbildfrauen“ in Kontakt, um ihnen Mut zu machen und Orientierung an realen Personen zu geben.

Mit einem Rundbrief werden die Teilnehmerinnen persönlich über die Einsatzorte und Termine des Mädchenbusses informiert. Der Rundbrief ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit und trägt zu der hohen Resonanz bei. Neben den zirka 30 regulären Einsatztagen des Mädchenbusses werden zusätzliche Termine im Einzelfall durchgeführt, um Teilnehmerinnen vor Ort adäquater beraten und ihnen weiterhelfen zu können. Telefonberatung sowie Brief- und E-Mail-Wechsel ergänzen die Arbeit. Die Pädagoginnen unterstützen den Auf- und Ausbau eines eigenständigen Mädchennetzwerks, damit sich die Betroffenen gegenseitig helfen können. Sie entwickeln spezielle Selbstbehauptungs- und Selbstvertrauensübungen und fördern die Prävention mittels Öffentlichkeits-, Eltern- und Multiplikatorenarbeit. Die wichtige Fundraising-Arbeit wurde in den vergangenen Jahren professionalisiert.

Die Röchling-Stiftung unterstützt den Verein „Mädchenbus Nordhessen“ nachhaltig und ist gemeinsam mit einer Hamburger Stiftung Hauptfinanzierer des Projektes. In den Jahren 2004, 2006, 2007 und 2008 leistete die Stiftung eine umfangreiche Basisdauerfinanzierung. Die öffentlichen Zuschüsse für den Verein belaufen sich auf nur noch fünf Prozent. Die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke unterstützt das Projekt ebenfalls.

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